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Im
oft zitierten Mesopotamien wurde schon vor 4000 Jahren 'saures Bier' also Bieressig erwähnt. Die Herstellung jedoch musste immer
dem Zufall überlassen werden. So konnte erst Louis Pasteur (1822-1895)
das Geheimnis der Essiggärung lüften. Kleine Lebewesen, die Essigsäurebakterien,
setzen Alkohol in Essigsäure um. Da diese Bakterien sich gerne aneinander
festhalten und so eine
gallertartige Masse bilden, spricht man auch von einer Essigmutter. Man
unterscheidet verschiedene Herstellungsverfahren.
Eine weitere
Methode bietet der Spanfermenter. Es handelt
sich dabei um ein Fass gefüllt mit Sägespänen, welche mit
Essigbakterien infiziert sind. Wenn man ein oder
Fruchtwein über diese Späne rieseln lässt, verwandeln die Essigbakterien
den Alkohol in Essigsäure. Bei großen Essigproduzenten stehen
modernste Submersfermenter die bis zu 200 000 Liter Essig am Tag
herstellen können.
Beim ältesten Verfahren, aus Orléans, wird ein Fass Wein mit Essigmutter geimpft. Durch oftmaliges umschütten
des Mediums in ein anderes Fass bleibt die Essigmutter aktiv und gärt den
Alkohol in Essigsäure um. Dieses Verfahren nennt man Orléonsverfahren.
Dieses Verfahren setzen wir mit unserer Solera bis heute konsequent um.
Aus der Überzeugung
hohe Güte produzieren zu wollen, entwickelten wir in jahrelanger Arbeit
eine Art Mini-Essigmanufaktur. Um echten Champagner zu Essig zu vergären
braucht man ganz andere Bedingungen als z. B. für Feigen. So mussten wir für
jeden Wein die richtige Gärtemperatur herausfinden. Auch die exakte Menge
Sauerstoff sowie Alkohol und Säure sind für die Aktivität der Bakterien
lebensnotwendig. Wenn man besondere Essige vergären will muss man all die
spezifischen Parameter kennen und kontrollieren die die jeweilige Sorte Wein
oder Frucht verlangt. Sobald der Gärvorgang beendet ist, beginnt die
Pflege des Jungessigs. So bevorzugt ein bukettreicher, kräftiger
Eisweinessig alte pièces (das sind kleine Burgunderfässer) um ausreifen
zu können. Nicht so ein Champagner- oder Johannisbeeressig. Sie brauchen
unbedingt Edelstahltanks zum Nachreifen. In Holz würden sie ihre
Fruchtigkeit zu schnell verlieren. Auch ein Muskateller reift im Edelstahl
um seine Frische zu erhalten. Dagegen brauchen Spätburgunder und Tokajer
beides. Holz um ihnen Körper zu verleihen und Stahl um ihr feines Parfum
zu sichern. Unser Balsam aus kanadischem Ahornsaft liegt den ganzen Sommer
in einem oben offenen Holzfass, nur mit einem dünnen Tuch bedeckt, um
seinen typischen Charakter zu erhalten. Das sind aber nur ein paar
Beispiele. Das eigentliche Essigmachen ist weitaus diffiziler. Um jedem
Fruchttyp gerecht zu werden braucht man nicht nur Maschinen sondern Gefühl,
ja vielleicht sogar Liebe zum Produkt.
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